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Gott des Lebens

Für Sie: Die Neujahrspredigt von Pfarrer Schnell

Für Sie: Die Neujahrspredigt von Pfarrer Schnell

Oktavtag von Weihnachten (Neujahr) 1. Januar 2022

Liebe Schwestern und Brüder, das Vorbild der Gottesmutter. 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
der Wechsel des Kalenderjahres birgt für mich immer wieder neu eine besondere Stimmung. Einerseits neige ich zur Nachdenklichkeit. Da geht etwas zu Ende, das mir vertraut ist, in diesem Fall ein weiteres Corona-Jahr, in dem sich zusätzlich für meine Zukunft eine neue Weichenstellung ergeben hat. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Andererseits beginnt etwas Neues, nämlich das nächste Kalenderjahr, auf das ich mich bei allen Veränderungen freue. Heute beten wir darum, dass wir in 12 Monaten sagen können, es sei insgesamt ein glückliches Jahr gewesen. Wie mag Maria wohl in die Zukunft geblickt haben, als das göttliche Kind geboren wurde. Vermutlich wie die meisten Mütter kurz nach der Entbindung. Doch dann kommen diese Hirten und berichten vom Chor der Engel, von der Verkündigung auf dem Hirtenfeld. Die neugierigen Nachbarn, so berichtet Lukas, staunen, die Hirten selbst preisen Gott. Maria aber, so heißt es, bewahrte alles in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

Heute würde ein Teil der Hirten wohl vor allem über die nächtliche Ruhestörung klagen! Einfach den Schlaf zu unterbrechen und dann noch zu verlangen, irgendeinen Stall irgendwo in Bethlehem aufzusuchen, um ein Neugeborenes zu bestaunen! Hätte das nicht bis zum Morgen warten können, Engel hin oder her? Doch die Hirten damals erkennen, dass dies keinen Aufschub duldet. Was kann wichtiger sein, als Jesus zu besuchen und den Höchsten wegen seiner Liebe und Menschenfreundlichkeit zu loben? Was kann wichtiger sein, als den Anbruch einer neuen Zeit zu erleben, die Lukas später als Gnadenzeit beschreiben wird? Vielleicht haben wir heute ein wenig verlernt, dass Große zu sehen, das der Herr bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen für jeden von uns bereithält und an jedem von uns wirkt und wirken will. Die Angelegenheiten der Welt scheinen heute wichtiger, vielleicht sogar das Wichtigste zu sein. Von den Hirten können wir uns heute anregen lassen, im neuen Jahr unsere Prioritäten zu überprüfen. Die Anforderungen des Alltags sind wichtig, gewiss. Gott und sein eingeborener Sohn aber nicht weniger. Im Gegenteil! Wir lernen heute, dass vor dem Vertrauen in Gottes Fügung die Freude über seine Liebe und Menschenfreundlichkeit steht. Die entdecken wir in unserem Leben aber nur, wenn wir hinschauen, hinhören, seinem Wort folgen.

Anscheinend bedarf es jemandes, der uns darauf hinweist, wie der Engel die Hirten und die Hirten die Zuschauer. Sie werden damit ganz nebenbei zu Freudenboten, zu Evangelisten. Das kann jeder von uns. Doch dazu muss ich verstehen, was da passiert, was Gott da gerade tut. Das kann ich aber nur, wenn ich darüber nachdenke und es auf mich wirken lasse. Die Gottesmutter tut genau das und beschreitet damit einen etwas anderen Weg als die Hirten. Sie regt uns an, das vergangene Jahr oder auch den zu Ende gehenden Tag oder die vergangene Woche zu betrachten. Aber nicht nur unter den üblichen Fragestellungen: Was war gut? Was schlecht? Wo kann ich mich verbessern?

Maria stellt andere Fragen: Was hat Gott da mit mir vor? Wo hat er wie in meinem Leben oder im Leben anderer gewirkt? Wie soll ich mich möglicherweise verhalten, damit es seinem Willen entspricht und seine Güte sich möglichst umfassend auch mit meiner Hilfe oder durch mich entfalten kann? Die allerseligste Gottesgebärerin hat manches erst im Nachhinein begriffen, manches vielleicht auch gar nicht. Aber bei allen Schwierigkeiten und in aller Not war sie gewiss, dass der Name Ihres Sohnes keine leeren Worte sind. Jesus bedeutet: Gott rettet. Was auch immer das alte Jahr für uns bereithielt und das neue Jahr bringen mag - es steht unter diesem Vorzeichen. Gott rettet. Über diese Botschaft freuen sich die Hirten, Maria bedenkt, wie sich diese Botschaft in die jüngsten Ereignisse einfügt und in ihrem Leben zeigt. Liebe Schwestern und Brüder, lernen wir von ihr und den Neujahr Hirten. Der Herr ist Immanuel, Gott mit uns. Er ist mit uns als menschenfreundlicher, liebender und rettender Gott.

Was braucht es mehr?

Amen.

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